INSELSPITAL: Navigation

Access Key Navigation

Universitätsklinik für Rheumatologie, klinische Immunologie und Allergologie

Forschung

Forschung integriert in die Klinik

Das Inselspital Bern hat eine lange Tradition der Klinischen Forschung und hat in diesem Gebiet einen internationalen Ruf erlangt. So bietet die Infrastruktur als Universitätsspital eine optimale Gelegenheit, Forschung und Klinik zu vernetzen. Der Poliklinik ist eine Forschungsgruppe angegliedert, die unter der Leitung von Prof. W.J. Pichler Grundlagen im Bereich von Medikamentenallergien erforscht. 
Auf der Poliklinik führen wir Studien durch um neue Therapieformen zu etablieren und die Wirksamkeit von Medikamenten zu belegen. Der direkte Austausch zwischen Klinikern und Forschern führt zu einer auf dem neuesten Stand stehenden Diagnostik und Therapie von immunologischen und allergischen Erkrankungen.

Forschungsgruppe Medikamentenallergie

Das Thema Medikamentenallergien hat eine lange Tradition in Bern. Bereits Prof. A.L. de Weck wurde als Initiant von Hauttests weltweit bekannt, um Penicillinallergien abzuklären. Unter Prof. W.J. Pichler wird diese Tradition weitergeführt, Krankheitsbilder, ausgelöst durch Medikamente, werden analysiert. Dies trägt dazu bei, sie besser zu erkennen und zu vermeiden.
Die Arbeitsgruppe Medikamentenallergie (Drug Allergy Group, Inselspital) hat in der Zwischenzeit einen internationalen Ruf erlangt und es werden Patienten aus der ganzen Schweiz und zum Teil auch aus Europa abgeklärt. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungsgruppen weltweit. Fernziel der Gruppe in Bern ist, der Industrie ein Werkzeug zu liefern, das Voraussagen zulässt, ob ein neu entwickeltes Medikament Allergien auslösen wird oder nicht. Aktuelle Forschungsergebnisse können der Publikationsliste entnommen werden.

Besonders stolz ist die Gruppe auf das erse Buch zum Thema "Drug Hypersensitivity", Editor Prof. W.J. Pichler, Karger 2007, welches dieses wichtige Gebiet zum ersten Mal von allen Seiten beleuchtet darstellt.
Im Jahr 2009 wurde zum gleichen Thema das Buch "Drug Hypersensitivity (Allergy Clinics of North America)" herausgegeben, im Jahr 2010 folgt "Drug Hypersensitivity" für die Buschserie Medical Clinics of North America.

Lymphozytentransformationstest LTT

Seit 2004 wird der Lymphozytentransformationstest, kurz LTT, wieder unter unserer Leitung und Verantwortung durchgeführt. Frau Jana Tilch und neu Frau Karin Schnyder führen pro Jahr rund 400 bis 500 LTT’s durch, wobei ca. 75 % der Aufträge von auswärtigen Ärzten und Labors kommen.
Der LTT ist eine recht aufwendige Untersuchung und ein wertvoller Test bei generalisierten medikamentenallergischen Reaktionen. Der LTT eignet sich sehr gut um eine Medikamentenallergie zu bestätigen resp. auszuschliessen, wie auch um das relevante Medikament zu identifizieren. Beim Antiepileptika induziertem Hypersensitivitätssyndrom weist er eine Sensitivität von >90% auf, mit ausgezeichneter Spezifität (100%; Naisbitt D et al.). Auch bei schweren anaphylaktischen Reaktionen ist der LTT oft positiv, während er bei transienten urtikariellen Exanthemen, bei isolierter Urtikaria, bei fixem Arzneimittelexanthem und Vaskulitis oft negativ ist . Optimal ist eine Durchführung im ersten Jahr nach der Allergie, aber gelegentlich bleibt der LTT auch für mehr als 20 Jahre positiv.

Ärzte und Labors können eine LTT-Untersuchung direkt im LTT-Labor bei Frau Schnyder anmelden:
Telefon 031 632 35 19
oder über die Insel-Zentrale: 031 632 21 11 und Piepser 181 7381

 
Wir empfehlen immer eine Untersuchung im autologen Plasma sowie im AB-Serum, so dass wir - da wir immer eine Dosiskurve mit 3 Werten durchführen - zumindest 30 ml Heparinblut benötigen (bei normaler Lymphozytenverteilung), bei >2 Medikamenten zum Testen bitte 40ml Heparinblut zusenden. Bei Bedarf kann die Blutabnahme bei uns in der Allergiepoliklinik Bern erfolgen.

Literatur zum LTT

Klinische Studien

Zur Zeit laufen verschiedene klinische Studien in der Allergologisch/Immunologischen Poliklinik:

  1. Basophilen Aktivierung
    In einer Studie zur Therapie der Bienengift-Allergie geht Dr. Oliver Hausmann in Zusammenarbeit mit dem Zieglerspital der Frage nach, ob die Überprüfung des Therapieerfolges mittels einer in vitro-Labormethodik (Basophilenstimulation mit Bienengift) die zeitlich aufwändige Stichprovokation mit einer lebenden Biene, welche unter intensivmedizinischer Überwachung erfolgen muss, ersetzen kann.
  2. Mastozytose-Studie
    Zur Zeit eine relativ seltene, aber unter Umständen recht problematische Erkrankung ist die Mastozytose, bei der es zur Vermehrung von Mastzellen kommt. Diese reagieren auf spezifische und unspezifische Reize mit Degranulation und die betroffenen Patienten entwickeln Symptome von Nesselfieber bis zum allergischen Schock. Häufig dabei ist ein lästiger Juckreiz. Neben Antihistaminika wird in einer von Zürich aus koordinierten Studie untersucht, ob das Medikament „Omalizumab“ (anti-IgE-Antikörper) bei diesem Patienten effektiv ist.
    Kontaktperson: Dr. Peter Jandus, Tel. 031 632 22 69

  3. Urtikaria-Studie
    Chronische Urtikaria (chronisches Nesselfieber) ist eine relativ häufige Erkrankung, bei der es zur Ausbildung von Quaddeln an verschiedenen Körperstellen und zum Teil zu Schwellungen im Gesichtsbereich kommt. Sehr lästig ist der dabei bestehende Juckreiz. Um die Effektivität eines Anti-IgE-Antikörpers bei dieser Erkrankung zu erfassen, führen wir zur Zeit in Zusammenarbeit mit Novartis eine Studie zum Einsatz des Medikaments „Omalizumab“ bei Patienten mit chronischem Nesselfieber durch. Es handelt sich um eine offene Studie, in der die Wirksamkeit und Pathophysiologie des Omalizumab im Detail analysiert wird.
    Kontaktperson: Dr. Peter Jandus, Dr. Oliver Hausmann, Tel. 031 632 22 69

  4. Abacavir specific sensitization in abacavir naive subjects

    Abacavir ist ein Medikament bei HIV-infizierten Personen, das hoch effektiv ist, aber bei bestimmten Gruppen von Patienten zu zum Teil schweren medikamentenallergischen Reaktionen mit Hautausschlag, Lungen- und Leberbeteiligung führt. Wir untersuchen, ob Personen, die nicht HIV-infiziert sind, aber die gleiche genetische Disposition haben (HLA-B*5701) eventuell in vitro bzw. nach einem Hauttest auf Abacavir reagieren würden. Dies hilft uns festzustellen, wie viele naive Zellen existieren, die dieses Medikament potentiell erkennen. Die Studie wird von Dr. Benno Schnyder (Tel. 031 632 22 69)und Frau Jacqueline Adam (Tel. 031 632 22 45) durchgeführt und beinhaltet einige Hautteste und Blutabnahmen. Diese Studie wird von der Ulrich Mueller-Gierok-Stiftung unterstützt.
  5. In vitro Methode zur Diagnostik von Medikamentenallergien
    Der Nachweis einer Immunreaktion auf Medikamente ist relativ schwierig. Seit Jahren unterstützt der Schweizerische Nationalfonds unsere Forschungsgruppe im Bemühen, bessere diagnostische Tests zu entwickeln, um eine Medikamentenallergie nachzuweisen. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf schwere Reaktionen wie Medikamenten-induzierte Leberentzündungen, bzw. schwere bullöse Hauterkrankungen (Stevens-Johnson Syndrom, Toxisch Epidermale Nekrolyse). Bei Patienten mit derartigen Reaktionen bzw. Patienten mit mehreren Reaktionen (Multiple Drug Hypersensitivity) wird Blut abgenommen und genau analysiert, um eine gewisse Reaktivität zuzuweisen. Kontaktperson: Prof. Dr. W.J. Pichler: 031 632 22 64

Dissertationen/Masterarbeiten

Das Umfeld der Poliklinik bietet Studenten und Studienabgängern die Möglichkeit, eine Forschungsarbeit durchzuführen und die Ergebnisse zu publizieren. 

Interesse? Frau Franziska Mitton gibt Ihnen gerne weiter Auskunft:
031 632 31 74 / franziska.mitton@no-spaminsel.ch

S. auch Lehre

Publikationen

Die Ärztliche Leitung der Allergologisch-Immunologischen Poliklinik bemüht sich, z.T. zusammen mit Dissertanten, aktuelle Forschungsergebnisse zu publizieren und aktuelles Wissen an die Presse und in Patientenbroschüren weiterzugeben.
Eine aktuelle Übersicht  der Publikationen finden Sie hier.  Weiter zurückliegende Publikationen können bei uns nachgefragt werden. 

Die Veröffentlichung von Patientenbroschüren, die Informationen für Patienten und Angehörige enthalten, geschieht in enger Zusammenarbeit mit AHA Schweiz. So werden jährlich Dutzende von aktuellen Beiträgen publiziert und ganz unterschiedlichen Lesergruppen zugänglich gemacht.
Sie können die Patienteninformationen entweder bei AHA Schweiz bestellen oder bei uns online beziehen.

Kollaborationen

Die Forschungstätigkeiten im Gebiet der Medikamentenallergie führten zu verschiedenen internationalen und nationalen Kooperationen. Im Rahmen dieser Kooperationen wurde unlängst die Firma ADR-AC GmbH (http://www.adr-ac.ch/) gegründet, die Industrie-bezogene Projekte weiter fortführt. Ehemalige Mitarbeiter der Forschungsgruppe sind in dieses Spin-off Unternehmen involviert. Prof. Werner J. Pichler ist Konsultant.